Transformative Organizing

Saul Alinksy schuf 1971 mit seinen Rules for Radicals die Grundlagen für das Community Organizing. Dieses Modell zur Erlangung von Machtperspektiven durch die Unterschichten wird inzwischen selbst von konservativen oder gar ultranationalistischen Kreisen eingesetzt. Noch einen Schritt weiter geht Transformative Organizing. Darunter werden sämtliche Ansätze verstanden, in denen über das Organisieren der Community hinaus auch die Veränderung (Transformation) der Beziehung des Einzelnen zur Gesellschaft fokussiert werden.

Steve Williams hat in seiner Studie Fordert alles. Lehren aus dem Transformativen Organizing neun Prinzipien herausgestellt, welche Leitlinien für das Transformative Organizing von Bedeutung sind:

1. Wir brauchen eine Vision
2. Wir sollten bereit sein, zuzuhören und zu lernen
3. Systemverändernde Reformen anstreben
4. Der Devise folgen, dass Demokratie ermächtigt
5. Führungsfähigkeiten entwickeln
6. Strategische Bündnisse eingehen
7. Eine Bewegung aufbauen
8. Aus jeder Lektion lernen
9. Das Private ist politisch

Robert Maruschke stellte 2014 in seinem Werk Community Organizing zwischen Revolution und Herrschaftssicherung traditionelles Community Organizing und Transformative Organizing gegenüber. Danach zeichnet sich der transformative Ansatz durch kritische Analyse und grundsätzliche Opposition, politische Basisarbeit, konfrontative Politikformen und Solidarität aus. Das bisherige Modell sieht er als neoliberales Organizing an. Dieser Ansatz blende gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse aus, wende wenig Basisarbeit an, beschränke sich auf low hanging fruits, also leicht zu realisierende Ziele und werde unternehmsnah finanziert. Deutlich wird dies auch am Beispiel des Deutschen Instituts für Community Organizing in Berlin.

Das Schneeflocken-Modell im Transformative Organizing

Maria Avila weist in Transformative Civic Engagement Through Community Organizing auf vier Prinzipien hin, welche sie im Rahmen ihrer Arbeit für die IAF immer wieder in verschiedene Kontexte einbetten konnte:

1. persönliche Gespräche unter vier Augen
2. Schaffen eines Kreises von Führungspersonen
3. Analyse von Machtdynamiken
4. permanente kritische Reflektion

Am wichtigsten sind für die Autorin die persönlichen Gespräche unter vier Augen, das Zuhören. In diesem Rahmen ließe sich am besten über die persönliche Motivation der Aktivisten lernen und mit den Zielen der Community synchronisieren.

Ein weiteres Standardwerk zum Transformative Organizing trägt den Titel The Seven Components of Transformative Organizing Theory und stammt von Eric Mann.

Ziel sei laut Mann ein radikaler sozialer Wandel. Dem Transformative Organizing käme dabei die Rolle einer Gegenbewegung auch zu den imperialistischen Politikformen der USA zu. Der Organizer diene als Agent für Veränderung. Er organisiere die Weiterbildung seiner Mitstreiter und habe stets den sozialen Wandel im Sinn. Ein weiteres Ziel liege im Durchbrechen der Loyalität zu der herrschenden Klasse durch die Unterprivilegierten. Daher sei die Führerschaft in den unterdrückten Klassen erforderlich. Widerstand brauche Radikalität. Transformative Organizing könne es daher nur durch transformative Organisationen geben – und werde daher von selbst transformativ im Verlauf der Auseinandersetzung. Notwendig seien sichtbare Erfolge in den Leben der Menschen. Auch der Organizer selbst werde durch den Prozess transformiert. Nach innen müsse es den Beteiligten ermöglicht werden, ein soziales, ein Klassenbewusstsein zu erlangen. Schließlich brauche es dazu ein politisches Programm.

Die geplante linke Sammlungsbewegung könnte eine gute Gelegenheit bieten, Transformative Organizing einzusetzen.