Wie foodwatch vom Community Organizing lernen könnte

Politisch Interessierten ist der Verein foodwatch ein vertrauter Begriff. Einmal im Jahr verleiht die NGO den Goldenen Windbeutel für die dreisteste Werbelüge an Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie. Regelmäßig schaffen es die Bilder von den Versuchen der Preisübergabe in die tagesschau, die meisten Leitmedien berichten darüber. In einem Beitrag setzt sich derzeit die Webseite PR Journal mit den Strategien der Verbraucherschützer auseinander.

Lernendes System: foodwatch.

In dem Artikel wird beschrieben, dass sich foodwatch inzwischen mit konkreten Unternehmen auseinandersetze. Andreas Winkler zeichnet für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von foodwatch verantwortlich. Er erklärt, dass es für das Anliegen seiner Organisation zielführender sei, konkrete Produkte und Unternehmen anzugehen. Abstrakte Skandalisierung bringe kaum Nutzen. In diesem Punkt ist foodwatch nah an einem Prinzip Saul Alinksys. Der US-Amerikaner legte 1971 mit seinem Werk Rules for Radicals die Grundlagen für das Community Organizing, der Organisation von Menschen zur Veränderung bestimmter politischer oder kultureller Verhältnisse. Als eine der drei Hauptbedingungen für den Erfolg von Veränderungen benennt Alinksy die Notwendigkeit eines konkreten gemeinsamen Gegners, um die eigenen Anhänge rausreichend zu motivieren.

Zwei Männer prüfen die Qualität des Getreides auf einem Feld.

Nicht nur Agitation zu betreiben, sondern sich inhaltlich an Debatten beteiligen

Susanne Marell, ehemalige CEO der PR-Agentur Edel Ergo rät Nichtregierungsorganisationen wie foodwatch allerdings, sich nicht auf das Benennen von Kritik zu beschränken. Sie weist darauf hin, dass das Vertrauen in NGOs gesunken sei. Die Menschen würden nicht nur Kritik, sondern auch Lösungsansätze erwarten.

“The price of a successful attack is a constructive alternative.”

Alinksy zeigt mit seiner zwölften Regel in den Rules for Radicals auf, dass ein Angriff nur dann als erfolgreich wahrgenommen wird, wenn neben der Kritik auch Lösungsvorschläge benannt werden. Bleiben diese aus, würde eher der Frust der Adressaten verstärkt werden, als eine positive Veränderung etwa im Konsumverhalten zu bewirken. Hier könnten foodwatch und andere Organisationen ihr volles Potential ausschöpfen und ihre Glaubwürdigkeit stärken. Spannend dürfte in den nächsten Jahren die Frage werden, welche NGO tatsächlich systemverändernde Reformen anstreben wird, wie sie etwa als Ziel im Transformative Organizing benannt werden.